An alle Schülerinnen, Schüler und Lehrerinnen der

St. Marien-Schule in

Alzey im Jahr 2020

Meine Güte, was ihr alles heutzutage erlebt, aufregend, schlimm und doch nicht hoffnungslos. Ich wende mich an euch aus einer ganz anderen Zeit, einer Zeit, in der ich vor vielen hundert Jahren gelebt habe. Damals gab es auch viele Probleme, es gab viele Arme und Hungernde, Menschen, die kein zuhause hatten und auf der Straße gebettelt haben. Die Häuser waren sehr ärmlich. Es gab nur ganz wenige reiche Leute. Die meisten hatten gerade mal genug zu essen.

Als ich ein junger Offizier im Dienste des Kaisers war, ist die Geschichte passiert, die ihr alle gut kennt. Plötzlich war mir klar: ich muss helfen, ich muss diesem armen Bettler das Leben retten und ihm mit meinem halben Mantel vor dem erfrieren bewahren. Dieses Erlebnis hat mein Leben total verändert. Ich wollte nur noch helfen und Gutes tun im Namen Gottes, der die Menschen liebt.

Ich finde es ganz toll, wie ihr seit so vielen Jahren mein Fest feiert, mit vielen schönen Gottesdiensten, Aktionen, Umzügen und den tollen Laternen. Ihr seid damit ein leuchtendes Zeichen in der Stadt und bringt Licht in die dunklen Straßen, macht die Welt ein bisschen heller. Alle Menschen, die euch sehen staunen. Damit verteilt ihr auch sehr viel Freude unter den Menschen.

Aber dieses Jahr ist alles anders. Ein kleiner unsichtbarer Virus erschreckt die ganze Welt und auch eure Schule. Das macht uns   allen Angst. Es ist so schade, dass in diesem Coronajahr mein Namensfest ausfallen muss.

Trotzdem dürfen wir nicht aufhören, zu teilen und Licht zu bringen, Licht das den Menschen Hoffnung macht, Freude bringt und die Botschaft von Jesus verkündet.

Ich habe es in meinem Leben zuerst als Soldat, später als Christ und Bischof versucht zu zeigen, wie groß Gottes Liebe zu uns Menschen ist. Und das ist meine große Bitte an euch. Macht das in meinem Namen weiter. Hört nicht auf zu teilen und Freude zu bringen, besonders den Menschen die in Not sind und euch brauchen.

Ihr seid wichtige Lichtbringer, wenn ihr teilt und aufeinander achtet, wenn ihr die Not der Menschen seht und fühlt. Bitte schaut dann nicht weg, seid nicht gleichgültig und egoistisch, sondern helft, so gut ihr könnt.

Nur in der gemeinsamen Sorge und Hilfe können wir heute, und ganz besonders in dieser Zeit von Corona, Gottes Liebe zu uns Menschen zeigen. Bitte überlegt in euren Klassen, wie das geschehen kann, welche Menschen besonders Hilfe brauchen, wie und was ihr teilen könnt.

Ich bin jedenfalls sehr stolz auch euch, dass ihr mich und meine Botschaft nicht vergesst.

So grüße ich euch und hoffe, dass im nächsten Jahr eure Martinusfeier wieder wie immer stattfinden kann.

Euer Bischof Martin von Tours